Ein Samstagmorgen am Lago Maggiore beginnt lange vor der ersten Zugfahrt. Begleite den Lokführer auf seiner Frühschicht und wirf einen Blick hinter die Kulissen eines vorbildnahen Fahrbetriebs auf der Modellbahn. Vom ersten Blick auf den sorgfältig vorbereiteten Umlaufplan über den geplanten Lokomotivumlauf bis zur Abfahrt des ersten Zuges erlebst du, wie betriebliche Abläufe, Fahrzeugdisposition und realistische Entscheidungen den Alltag beim LagoMaggioreExpress prägen. Ein authentischer Einblick in den faszinierenden Fahrbetrieb einer Modellbahn, bei dem der Umlaufplan weit mehr ist als nur ein Stück Papier.
Ein prachtvoller Frühherbsttag begrüßt die Reisenden am Samstag, den 26. September 2026. In Lacorno zeigt das Thermometer bereits am Vormittag angenehme 25 Grad Celsius. Entlang des Ufers des Lago Maggiore füllen sich die Promenaden, Cafés und Badeplätze mit Urlaubern und Tagesgästen. Viele zieht es heute jedoch nicht nur ans Wasser. Die klare Sicht und die Aussicht auf den ersten Schnee des Jahres locken zahlreiche Ausflügler in die Berge.
Während im Valle di Castagno die Kastanienwälder bereits ihre herbstlichen Farben tragen und die ersten Esskastanien auf den Wegen liegen, zeigt sich hoch oben auf der Alpe Bianco ein völlig anderes Bild. Nach einer Schlechtwetterperiode in den vergangenen Tagen hat der nahende Winter erstmals seine Visitenkarte abgegeben. Oberhalb der Baumgrenze, in rund 2.000 Metern Höhe, liegt noch immer eine geschlossene Schneedecke. Zwar ist ein Teil bereits wieder abgeschmolzen, doch die weißen Hänge bilden einen beeindruckenden Kontrast zum sonnigen Spätsommertag im Tal.
Entsprechend groß ist heute der Fahrgastandrang auf die Züge der Bergstrecke. Ohne eine präzise Planung wäre ein geordneter Betrieb kaum möglich. Auf der Modellbahn läuft der Verkehr deshalb streng nach Fahrplan. Gerade auf der eingleisigen Strecke mit ihren zahlreichen Zugkreuzungen würde sonst schnell Chaos entstehen. Neben dem Fahrplan gehören beim LagoMaggioreExpress auch detaillierte Schichtpläne für die Lokführer zum Betriebskonzept. Besonders bei Fahrbetrieb mit mehreren Mitspielern sorgt dies dafür, dass kein Zug vergessen wird und die Aufgaben gleichmäßig verteilt sind. Der Bildfahrplan wird per Beamer an die Wand projiziert. Dort sind auf einen Blick alle wichtigen Informationen sichtbar: Fahrzeiten, Zugnummern, Zugkreuzungen und weitere betriebliche Besonderheiten.
Doch der Fahrplan allein genügt nicht. Auch Rangieraufträge, Verstärkungswagen, Zugvorbereitungen und Fahrzeugbereitstellungen müssen koordiniert werden. Wer stellt einen Zug bereit? Wer übernimmt die Rangierarbeiten? Wer führt die Bremsprobe durch? Und welcher Lokführer übernimmt welche Leistung? Die Antworten darauf liefert die Schichtplanung.
Begleiten wir heute den Lokführer der Schicht 3. Mit knapp sechs Stunden anrechenbarer Arbeitszeit handelt es sich um eine vergleichsweise kurze Vormittagsschicht.
Pünktlich um 08:00 Uhr beginnt der Dienst in Lacorno. Zunächst steht eine Gastfahrt im Re 111 nach Alpe Bianco auf dem Programm. Die Strecke präsentiert sich an diesem Morgen von ihrer schönsten Seite. Zwischen Kastanienwäldern, Felswänden und den ersten verschneiten Gipfeln erreicht der Zug um 09:04 Uhr den Endbahnhof Alpe Bianco.
Dort übernimmt unser Lokführer unmittelbar die Rückleistung. Bereits um 09:17 Uhr fährt er mit dem Re 118 wieder talwärts Richtung Lacorno. Der Triebfahrzeugführer, der den Zug zuvor heraufgebracht hat, bleibt in Alpe Bianco zurück. Er rüstet zunächst den Rangiertriebwagen auf und tritt anschließend seine vorgeschriebene Arbeitsschutzpause an. Da in Alpe Bianco keine Lokführer stationiert sind, müssen die Personale grundsätzlich mit Reisezügen an- und abreisen.
Um 10:21 Uhr erreicht der Re 118 wieder Lacorno. Die Einfahrt erfolgt heute mit besonderer Vorsicht. Der Zug fährt in ein bereits teilweise besetztes Gleis ein. Eine Rangierlok hat zuvor zwei Verstärkungswagen bereitgestellt, die nun an den Zug angekuppelt werden. Das spätere Abfahrtsgleis 1 ist zu diesem Zeitpunkt noch durch den LagoMaggioreExpress belegt. Erst kurz nach der Ankunft des Re 118 verlässt dieser den Bahnhof in Richtung Alpe Bianco.
Nach dem Kuppelvorgang und der Zugvorbereitung entsteht aus dem angekommenen Re 118 der nächste Bergzug, der Re 129. Vor der Abfahrt müssen sämtliche Vorbereitungsarbeiten einschließlich der Bremsprobe abgeschlossen werden. Anschließend setzt der neu gebildete Zug vom Gleis 2 auf das nun freie Gleis 1 um.
Pünktlich um 11:00 Uhr beginnt die Fahrt des Re 129 nach Alpe Bianco. Die Strecke präsentiert sich inzwischen noch lebhafter. Wanderer, Ausflügler und Fotografen bevölkern die Bahnhöfe entlang der Strecke. Viele möchten den ersten Schnee des Jahres aus der Nähe erleben.
Auf der Alpe Bianco trifft unser Zug erneut auf den LagoMaggioreExpress. Dieser steht bereits auf dem Nachbargleis, wird aber erst nach der Rückkehr unseres Gegenzuges talwärts fahren.
Bevor der Re 129 auf seine Rückleistung als Re 136 wendet, kommt noch der Rangiertriebwagen zum Einsatz. Er zieht die beiden Verstärkungswagen aus dem Zugverband heraus, da diese für die nächste Fahrt nicht mehr benötigt werden und erst am Nachmittag die talwärts fahrenden Züge verstärken.
Für unseren Lokführer endet damit die aktive Zugfahrt. Er reist als Gast im Re 136 zurück nach Lacorno. Doch Feierabend ist noch nicht in Sicht:
Im Depot wartet eine weitere Aufgabe. Für den später verkehrenden Re 146 muss eine Vorspannlokomotive vorbereitet werden. Die Maschine wird aufgerüstet, überprüft und anschließend an die Spitze des Zuges gestellt. Danach unterstützt unser Lokführer das Personal des Re 146 bei der Bremsprobe und den letzten Vorbereitungen. Als Vorspannlok kam die abweichend orange lackierte GDe 4/4 6005 zum Einsatz, die bei Eisenbahnfreunden stets für besondere Aufmerksamkeit sorgt.
Nachdem die Lok bereitgestellt und alle Arbeiten abgeschlossen sind, endet die Schicht. Um 13:56 Uhr tritt unser Lokführer seinen wohlverdienten Feierabend an.
Hinter ihm liegen knapp sechs abwechslungsreiche Stunden Eisenbahnbetrieb zwischen spätsommerlicher Seepromenade und winterlicher Bergwelt. Für die zahlreichen Fahrgäste war es ein perfekter Ausflugstag. Für die Eisenbahn ein Tag mit Hochbetrieb. Und für den Lokführer der Schicht 3 ein weiteres Beispiel dafür, wie viel präzise Planung und Teamarbeit hinter einem scheinbar mühelosen Fahrplan steckt.




























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